Alfred Métraux

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Alfred Métraux (* 1902 in Lausanne; † 1963) ist ein Ethnologe schweizerischer Herkunft. Er wurde in Paris ausgebildet und erwarb die amerikanische Staatsbürgerschaft. Das Werk des Spezialisten der Völker Lateinamerikas sowie für Haïti und die Osterinsel berührt verschiedene Gebiete wie Geschichte, Archäologie und Ethnographie.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Biographie

Als Kind begleitet er seine Eltern nach Argentinien, in die Provinz Mendoza, wo sein Vater als Arzt tätig ist und kehrt dann nach Lausanne zurück, wo er die Schule besucht. Nach dem Abitur schreibt er sich an der École nationale des chartes in Paris ein und begegnet dort Georges Bataille und Michel Leiris. Er studiert auch an der École des langues orientales und an der École pratique des hautes études in der Abteilung für Religionswissenschaft. An der Sorbonne, wo er bei den Professoren Marcel Mauss und Paul Rivet studiert, verteidigt er 1928 seine Dissertation über die Tupinambas.

Seine Reisen führen ihn wieder nach Argentinien, wo er 1928 das Institut für Ethnologie der Universidad Nacional de Tucumán in San Miguel de Tucumán gründet, das er bis 1934 leitet.

Er bereist die Provinz Chaco und die bolivianischen Hochebenen und widmet sich dem Studium verschiedener ethnischer Gruppen wie der Calchaquís, der Guaranís, der Chiriguano, der Toba und der Wichí, dann der Uro-Chipaya. Er arbeitet zusammen mit amerikanischen Anthropologen an dem Handbook of South American Indians, wobei er insbesondere Beiträge zur Religion und zur Mythologie verfasst. Nach einigen von finanziellen Schwierigkeiten gezeichneten Jahren versucht er vergeblich nach Europa zurück zu kehren. Schließlich unternimmt er eine Expedition zu der Osterinsel und studiert dort die Sprache und die lokalen Mythen.

1938 wird er als Forscher am Bishop Museum in Honolulu angestellt und reist dann auf das Festland der USA, um an der University of Berkeley und an der Yale University zu unterrichten. Als der Zweite Weltkrieg beginnt, engagiert er sich für seine von de nationalsozialistischen Deutschland bedrohten französischen Kollegen wie Claude Lévi-Strauss, die so in die USA ins Exil gehen können. 1941 nimmt er die amerikanische Staatsbürgerschaft an und partizipiert 1945 an einer Untersuchung über die alliierten Bombenangriffe in Deutschland.Im folgenden Jahr wird er der Leiter der Forschungsabteilung des Department of Economic and Social Affairs des UN-Sekretariats in New York. Als Forscher an der Smithsonian Institution und als permanentes Mitglied des Departments für Sozialwissenschaften der Unesco leitet er von 1948 bis 1950 eine Untersuchung in Haïti, an der sich auch Michel Leiris beteiligt. Sie liegt dem Buch Le Vaudou haitien zugrunde.

Von 1959 bis zu seinem Tod arbeitet er an der VI. Sektion der École pratique des hautes études in Paris und leitet das Seminar « Ethnologie et sociologie des populations indigènes d'Amérique du Sud Â». Am 12. April 1963 begeht er Selbstmord.

[Bearbeiten] Werk

Alfred Métraux spezialisierte sich auf das Studium lateinamerikanischer Völker und der Völker Polynesiens, insbesondere auf das Studium der Bauern Haitis und der afroamerikanischen Kulte. Seine Arbeiten über den haitanischen Voodoo und über den Schamanismus gelten heute noch als Standardwerke der religiösen Anthropologie.

Seine reiche Erfahrung und seine umfangreiches Wissen über die autochthonen Populationen Südamerikas waren die Grundlage für seine starke Beteiligung an dem monumentalen Handbook of south american Indians, das Julian Steward 1949 publizierte.

Während seiner Zeit bei der Unesco regte er zahlreiche Programme für angewandte Anthropologie an, besonders im Amazonas, in den Anden und auf Haiti. Überdies kämpfte er aktiv gegen den Rassismus, indem er das interdisziplinäre Projekt koordinierte, das der Publikation der Zeitschrift Le Racisme devant la Science zugrundelag.

Die Anthropologen erinnern sich an Alfred Métraux als an einen herausragenden Wissenschaftler, dessen ethische Haltung umso exemplarischer war als er sich für die Menschenrechte engagierte. Er besaß eine außerordentlich genaue Kenntnis der Kulturen, auf die er sich spezialisiert hatte.

[Bearbeiten] Schriften (Auswahl)

Alfred Métraux hat über 200 Texte veröffentlicht. Zu den wichtigsten zählen:

  • La civilisation matérielle des tribus Tupi-Guarani, Paris, Paul Geuthner, 1928.
  • Ethnologie de l'île de Pâques, 1935, überarbeitete Neuausgabe: L' Ile de Pâques, Paris 1965, Taschenbuchausgabe, Paris: Gallimard, 1980 (Collection TEL), ISBN 9782070287512, dt. zuletzt: Die Osterinsel, Frankfurt/Main : Edition Qumran im Campus-Verlag, 1989.
  • Mythes et contes des Indiens Matako, 1939.
  • Le Vaudou haïtien, Paris, Gallimard, 1958, dt. Voodoo in Haiti, Gifkendorf : Merlin, 1994
  • Les Incas, Paris, Le Seuil, 1962.
  • Religions et magies indiennes d'Amérique du sud, Paris, Gallimard, 1967, dt. Kult und Magie der Indianer Südamerikas : Magier und Missionare am Amazonas, Gifkendorf : Merlin-Verl., 2001
  • Les Indiens de l'Amérique du Sud, Métaillé, 1991.
  • (mit Pierre Verger), Le Pied à l'étrier - Correspondance 1946-1963, Paris: Jean-Michel Place, 1997

[Bearbeiten] Sekundärliteratur

  • Nostalgie du néolithique : de Lausanne à Las Lomitas ; documents sur Alfred Métraux, ethnologue, hrg von Alain Monnier, Genève : Société d'Études Alfred Métraux [u.a.], 2003
  • Yves Chemla, « Il avait les yeux comme noyés de peine... Â», in Conjonction, Juni 2002
  • « Du Pays de Vaud au pays du Vaudou Â», ethnologies d'Alfred Métraux, exposition au Musée d'ethnographie de Genève (décembre 1996 - février 1997)
  • Sur la trace des Indiens disparus. Les indiens d’Alfred Métraux, Dokumentarfilm vonPierre-André Thiébaud, PCT Production, 2002

[Bearbeiten] Siehe auch

[Bearbeiten] Weblinks

Persönliche Werkzeuge


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