Arcadius
aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Flavius Arcadius (auch gräzisiert Arkadios Ἀρκάδιος, * um 377 in Spanien; † 1. Mai 408 in Konstantinopel) war zwischen 395 und 408 Kaiser des oströmischen Reiches.
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Leben
[Bearbeiten] Jugend
Arcadius war der älteste Sohn Kaiser Theodosius’ I. und Aelia Flacillas und damit der Bruder des weströmischen Kaisers Honorius. Sein Vater hatte ihn im Januar 383 zum Augustus und Mitregenten ernannt, gab ihm jedoch nur geringen Spielraum. Federführend war der jeweilige Prätorianerpräfekt (der höchste zivile Verwaltungsbeamte). Nach dem Tod des Theodosius und der endgültigen Reichsteilung im Januar 395 bestieg Arcadius den Thron des Ostreiches.
[Bearbeiten] Herrschaft
Als Kaiser nannte Arcadius sich Imperator Caesar Flavius Arcadius Augustus und versuchte, einen eigenen Kurs gegen seinen mächtigsten Berater Rufinus durchzusetzen. Er erließ mehrere Gesetze gegen die Häresie und präsentierte sich als christlicher Kaiser, obwohl er seine Ausbildung von heidnischen Lehrern erhalten hatte. Anstatt die Tochter des Rufinus zur Frau zu nehmen, heiratete er am 27. April 395 Aelia Eudoxia, die Tochter des Bauto, eines ehemaligen magister militum unter Gratian. Dennoch behielt Rufinus zunächst die Macht in den Händen und befand sich in einer ähnlichen Position wie im Westreich Stilicho.
Zwischen diesen beiden kam es auch zu Spannungen in Frage des Besitzanspruches einiger Provinzen im Illyricum, die Stilicho für das Westreich beanspruchte. Rufinus wurde schließlich in Anwesenheit des Kaisers bei einer Parade getötet, und seinen Platz nahm Eutropius ein, der aber aufgrund einiger Fehlentscheidungen 399 hingerichtet wurde. Ein Aufstand des ehrgeizigen gotischen Heermeisters Gainas wurde 400 durch den loyal gebliebenen Heermeister Fravitta niedergeschlagen.
In diesen Jahren stand das Ostreich unter dem Druck mehrerer Barbareneinfälle. Die Westgoten unter Alarich drangen mehrmals tief in oströmisches Territorium ein, während es gleichzeitig zu Revolten unter den germanischen Hilfstruppen kam. Dennoch konnte Arcadius in diesen Jahren wohl ungehindert vom Einfluss seiner Berater regieren. Nach dem Tod der Eudoxia 404 trat der Prätorianerpräfekt Anthemius jedoch als wichtigster Berater des Kaisers hervor, in dessen Schatten der Kaiser nun völlig verschwand. Seinen Pflichten kam Anthemius jedoch mit großer Sorgfalt und Kompetenz nach, insbesondere gelang es ihm, gute Beziehungen mit dem persischen Sassanidenreich herzustellen, was die außenpolitische Lage Ostroms sehr verbesserte. Erst lange nach dem Tod des Arcadius wurde Anthemius entmachtet.
Arcadius hatte vier Kinder: Drei Töchter (Pulcheria, Arcadia und Marina) und den Sohn und Mitkaiser Theodosius II., der nach dem frühen Tod des Kaisers im Jahr 408 noch im Kindesalter als alleiniger Augustus den oströmischen Thron bestieg.
[Bearbeiten] Bewertung
Die Regierungszeit des Arcadius war eine Krisenzeit für die Entwicklung Ostroms. An den Grenzen wurde es bedroht (im Norden und Nordwesten von den Germanen, im Illyricum anfangs sogar von Westrom, im Osten zunächst von den Sassaniden), im Inneren kam es zu Aufständen, und das West- und Ostreich entfernten sich aufgrund von Konflikten im Balkanraum immer mehr von einander.
Arcadius und seine Berater reagierten oft nur, statt zu agieren, und er selbst, dem ein wohlwollender Charakter bescheinigt wurde, wenngleich er auch nicht sehr intelligent gewesen sein soll, war dieser Situation nicht gewachsen. Allerdings muss dabei auch der Tatsache Rechnung getragen werden, dass er etwa seit seinem sechsten Lebensjahr unter der Bevormundung seiner Berater gestanden hatte. Dennoch überstand Ostrom diese Zeit relativ sicher, während das Westreich unter Honorius erste Auflösungserscheinungen zeigte. Dies ist nicht zuletzt dem äußerst fähigen Anthemius zu verdanken, der noch bis 414 die Geschicke Ostroms bestimmte und wesentlich dazu beitrug, die äußere Lage des Reiches zu verbessern.
[Bearbeiten] Literatur
- David Buck: The reign of Arcadius in Eunapius' Histories. In: Byzantion 68, 1998, S. 15–46.
- Thomas S. Burns: Barbarians within the gates of Rome. A study of Roman military policy and the barbarians, ca. 375–425 AD. Bloomington 1994.
- John B. Bury: History of the Later Roman Empire. Bd. 1. 1923, ND New York 1958.
- Alan Cameron, Jacqueline Long: Barbarians and Politics at the Court of Arcadius. Berkeley 1993.
- Wolfgang Hagl: Arcadius Apis imperator: Synesios von Kyrene und sein Beitrag zum Herrscherideal der Spätantike. Stuttgart 1997.
- Peter J. Heather: The Fall of the Roman Empire: A new history. London u.a. 2005.
- Arnold Hugh Martin Jones: The Later Roman Empire (284–602). 3 Bände, Oxford 1964 (Nachdruck in 2 Bänden, Baltimore 1986).
- John H. W. G. Liebeschuetz: Barbarians and Bishops. Army, Church, and State in the Age of Arcadius and Chrysostom. Clarendon Press, Oxford 1990.
[Bearbeiten] Weblinks
- Literatur von und über Arcadius im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Geoffrey S. Nathan: Fachwissenschaftliche Kurzbiografie (englisch) aus De Imperatoribus Romanis (inkl. Literaturangaben).
| Vorgänger |
Oströmischer Kaiser 395–408 |
Nachfolger |
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Arcadius, Flavius |
| ALTERNATIVNAMEN | Arkadios |
| KURZBESCHREIBUNG | Kaiser des oströmischen Reiches zwischen 395 und 408 |
| GEBURTSDATUM | um 377 |
| GEBURTSORT | Spanien |
| STERBEDATUM | 408 |
| STERBEORT | Konstantinopel |

