Entwicklungspsychologie

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Die Entwicklungspsychologie ist ein Teilgebiet der Psychologie, die stark von der modernen Säuglings- und Kleinkindforschung geprägt ist. Ihr Gegenstand ist die Beschreibung und Erklärung sowie die Vorhersage und Beeinflussung menschlichen Erlebens und Verhaltens unter dem Aspekt der Veränderung über die gesamte Lebensspanne. In diesem Zusammenhang zeigt sich ein Entwicklungsschritt des Individuums etwa darin, Rückschlüsse auf das eigene Verhalten ziehen zu können.

Die Entwicklungspsychologie wurde aufgrund der biogenetischen Beobachtungen wie Reifung und Wachstum vorangetrieben. Nicht allein biogenetische Faktoren (siehe Gene) und die Kurzspeicherkapazität bestimmen die Entwicklung, auch interaktive endogene (Körper) und exogene Faktoren (Umwelt) wirken auf sie ein. Neben der biologischen Veränderung (z. B. Wachstum) kommt es zu differenziertem Umgang mit Emotionen und Verhalten (z. B. Trotz).

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Theorie

Viele theoretische Perspektiven versuchen Entwicklung zu erklären; die bekanntesten davon sind: Jean Piagets Stufenmodell, Lev Vygotskys Sozialer Kontextualismus (und die daraus entstandene Kulturelle Entwicklungstheorie von Michael Cole und die ökologische Systemtheorie von Urie Bronfenbrenner), Albert Banduras Soziales Lernen Theorie und das Informationsverarbeitungs-Gerüst wie es in der kognitiven Psychologie verwendet wird.

In geringem Maße bilden historische Theorien auch weiterhin eine Basis für fortgeschrittene Forschungen. Unter ihnen sind Erik Eriksons acht Stufen der psychologischen Entwicklung und John B. Watsons und B.F. Skinners Behaviorismus (mehr zur Rolle des Behaviorismus bei Verhaltensanalyse der Kindesentwicklung). Viele anderen Theorien haben ebenfalls einen großen Teil zu bestimmten Aspekten der Entwicklung beigetragen. Zum Beispiel beschreibt die Bindungstheorie Formen zwischenmenschlicher Beziehungen und Lawrence Kohlberg beschreibt Stufen moralischer Argumentation. Die menschliche Entwicklung ist ebenfalls ein Studiengebiet in den Erziehungswissenschaften. Einer der Pioniere im Bereich der Definition von Stufen menschlicher Entwicklung war Robert J. Havighurst. Sein großer Beitrag bestand in der Bestimmung entwicklungsbedingter Aufgaben für sechs grundlegende Altersgruppen.

[Bearbeiten] Übersicht über Forschungsgebiete

Ursprünglich galt die Entwicklungspsychologie als „Kinderpsychologie“, da sie sich vor allem mit der Entwicklung zum Erwachsenen hin beschäftigte. Heute geht man demgegenüber von einer während der ganzen Lebensspanne fortdauernden Weiterentwicklung des Menschen aus, was sich in Entwicklungsmodellen wie dem Stufenmodell der psychosozialen Entwicklung von Erik Erikson widerspiegelt.

  1. Entwicklungssysteme und Grunddeterminanten
    1. Alterskorrelierte Veränderung und historischer Wandel
    2. Interdependenz biologischer und ökologischer Entwicklungssysteme
  2. Frühe Kindheit
    1. Die ersten Monate Säuglings- und Kleinkindforschung
    2. Sensomotorische Entwicklung Nonverbale Kommunikation
    3. Sozial-emotionale Entwicklung
    4. Trotzphasen und Identität
    5. Entwicklungsstörungen und Risiken
  3. Entwicklung psychophysischer Funktionen
    1. Kognitive Entwicklung und Konzepte der individuellen Orientierung
    2. Emotionale Entwicklung
    3. Sprache
    4. Motivation
    5. Soziale Kognition und Interaktion
    6. Moralentwicklung: Interessen, Werthaltungen und moralisches Urteilen
  4. Forschungsmethoden
    1. Bindungstheorie
    2. Ökosystemischer Ansatz nach Bronfenbrenner
  5. Familie als Entwicklungskontext
    1. Familienentwicklung und demographische Prozesse
    2. Modelle und Konzepte der Entwicklung von/in Familien
    3. Eltern-Kind-Interaktionen
    4. Trennung oder Verlust der Eltern und ihre Folgen
    5. Ökonomische Belastungen und Sozialisationsfunktion
    6. Familie und Peers von Vorschule bis Adoleszenz
    7. Eltern und Kinder im Alter
  6. Außerfamiliäre Gruppen als Entwicklungskontext
  7. Alter
    1. Konzepte des Alterns – Gerontopsychologie
    2. Verläufe psychischer Funktionen über die Lebensspanne
    3. Auseinandersetzung mit normativen und nicht-normativen Bedingungen
    4. Kognitive Entwicklung und Intervention
    5. Motivationale Entwicklung und Intervention
  8. Allgemeine Entwicklungsaufgaben in physiologischer und psychologischer Hinsicht bis zum Jugendalter

[Bearbeiten] Siehe auch

[Bearbeiten] Literatur

Sozialpsychologische Ansätze
Psychoanalytische Ansätze
Wissenschaftstheoretische Ansätze
  • Fritz Oser, Wolfgang Althof: Moralische Selbstbestimmung. Modelle der Entwicklung und Erziehung im Wertebereich. Ein Lehrbuch; Stuttgart: Klett-Cotta, 1992 (20014); ISBN 3518289934
  • Patricia Miller: Theorien der Entwicklungspsychologie; Berlin, Heidelberg: Spektrum Akademischer Verlag, 1993; ISBN 3-86025-077-9
  • August Flammer: Entwicklungstheorien – Psychologische Theorien der menschlichen Entwicklung; Bern 20033; ISBN 3456839219.
Einführungsliteratur
  • Gerd Mietzel: Wege in die Entwicklungspsychologie. Kindheit und Jugend; Weinheim: Beltz, 20024; ISBN 978-3-621-27477-7
  • Gerd Mietzel: Wege in die Entwicklungspsychologie. Erwachsenenalter und Lebensende; Weinheim: Beltz, 19972; ISBN 978-3-621-27376-3
  • Werner Deutsch: Aus der Kinderstube in die Wissenschaft. Entwicklungspsychologische Tagebuchstudien; in: I. Behnken, J. Zinnecker (Hrsg.): Handbuch Kindheit; Hannover: Velber, 2004
  • Rolf Oerter, Leo Montada (Hrsg.): Entwicklungspsychologie. Lehrbuch; Weinheim: Beltz, 20025; ISBN 3621274790
  • Peter Rossmann: Einführung in die Entwicklungspsychologie des Kindes- und Jugendalters; Bern: Huber, 19964; ISBN 3-456-82723-7
Lehrbücher
  • H. M. Trautner: Lehrbuch der Entwicklungspsychologie, 2 Bände; Göttingen: Hogrefe, 1992/1997

[Bearbeiten] Weblinks

Persönliche Werkzeuge


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