Griechisches Alphabet

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Wechseln zu: Navigation, Suche
Wegweiser in griechischer Schrift auf Ikaria

Das griechische Alphabet (neugriechisch Ελληνικό αλφάβητο, Ellinikó Alfávito) ist die Schrift, in der die griechische Sprache seit dem 9.Jahrhundert v.Chr. geschrieben wird. Die griechische Schrift ist eine Weiterentwicklung der phönizischen Schrift. Sie war die erste Alphabetschrift im engeren Sinne. Vom griechischen Alphabet stammen u.a. das lateinische, kyrillische und koptische Alphabet ab. Das griechische Alphabet umfasst heute 24 Buchstaben, die ebenso wie im lateinischen Alphabet als Majuskeln (Großbuchstaben) und Minuskeln (Kleinbuchstaben) vorkommen.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Zeichen

[Bearbeiten] Klassische Zeichen

Zeichen Var.1 Name2
(altgr. Schreibung)
neugr. Name
(neugr. Schreibung)
Altgr.
Transkription
Altgr.
Aussprache3
Neugr.
Transkription4
Neugr.
Aussprache
Α, α Alpha (ἄλφα) álfa (άλφα) a [a], [] a, αι=e [a]
Β, β ϐ Beta (βῆτα) víta (βήτα) b [b] v [v]
Γ, γ Gamma (γάμμα) m(m)a (γάμ(μ)α) g [g] g, γγ=ng, γκ=ng,
γχ=nch, γξ=nx
[ɣ], [j]
Δ, δ Delta (δέλτα) délta (δέλτα) d [d] d [ð]
Ε, ε ϵ Epsilon (ἔ ψιλόν) épsilon (έψιλον) e [e] e, entfällt vorι [ɛ]
Ζ, ζ Zeta (ζῆτα) zíta (ζήτα) z [zd], [dz] z [z]
Η, η Eta (ἦτα) íta (ήτα) ē [ɛː] i [i]
Θ, θ ϑ Theta (θῆτα) thíta (θήτα) th [] th [θ]
Ι, ι Iota (ἰῶτα) ióta (ιώτα) i [i], [] i [i], [j]
Κ, κ ϰ Kappa (κάππα) káp(p)a (κάπ(π)α) k [k] k [k], []
Λ, λ Lambda (λάμβδα) lámda (λάμδα) l [l] l [l]
Μ, μ My (μῦ) mi (μι) m [m] m [m]
Ν, ν Ny (νῦ) ni (νι) n [n] n [n]
Ξ, ξ Xi (ξῖ) xi (ξι) x [ks] x [ks]
Ο, ο Omikron (ὄ μικρόν) ómikron (όμικρον) o [o] o, entfällt vorι [ɔ]
Π, π ϖ Pi (πῖ) pi (πι) p [p] p, μπ=(m)b5 [p]
Ρ, ρ ϱ Rho (ῥῶ) ro (ρω) r(h) [r], [] r [r]
Σ, σ ς6, C7 Sigma (σίγμα) sígma (σίγμα) s [s], [z] s [s], [z]
Τ, τ Tau (ταῦ) taf (ταυ) t [t] t, ντ=(n)d5 [t]
Υ, υ Ypsilon (ὔ ψιλόν) ýpsilon (ύψιλον) y
bei αυ, ευ, ου: u
[y], [] y, nach Vokalv oderf [i], [v], [f]
Φ, φ ϕ Phi (φῖ) fi (φι) ph [] f [f]
Χ, χ Chi (χῖ) chi (χι) ch [] ch [x], [ç]
Ψ, ψ Psi (ψῖ) psi (ψι) ps [ps] ps [ps]
Ω, ω Omega (ὦ μέγα) oméga (ωμέγα) ō [ɔː] o [ɔ]

[Bearbeiten] Nichtklassische Zeichen

Zeichen Var.1 Name2
(altgr. Schreibung)
neugr. Name
(neugr. Schreibung)
Altgr.
Transkription
Altgr.
Aussprache3
Neugr.
Transkription4
Neugr.
Aussprache
Ϝ, ϝ Ͷ, ͷ Digamma (ϝαύ, δίγάμμα) vau, dígám(m)a (βαυ, δίγάμ(μ)α) w [w] v [v]
Ϛ, ϛ Stigma (ϛίγμα) stígma (στίγμα) st [st] st [st]
Ͱ, ͱ Heta chíta (χήτα) h [h] ch [x]
Ϻ, ϻ San (ϻάν) sán (σάν) s [s] s [s]
Ϸ, ϸ Sho scho (σχω) ʃ [ʃ] sch [sx]
Ϟ, ϟ Ϙ, ϙ Qoppa (ϟόππα) kóppa (κόππα) q [q] k [k]
Ͳ, ͳ Ϡ, ϡ Sampi (σαμπῖ, δίσίγμα) sampi, dísígma (σαμπι, δίσίγμα) ss [s:] s [s]

1) Alternative Glyphe für den Buchstaben
2) Name des Buchstabens in deutscher Transkription
3) Rekonstruierte Aussprache im 5.Jahrhundert v.Chr.; siehe auch Altgriechische Phonologie
4) Die neugriechische Transkription wird nicht einheitlich gehandhabt. Die hier verwendete Transkription richtet sich nach der in der Wikipedia verwendeten Namenskonvention Neugriechisch.
5) nicht vor stimmlosen Konsonanten; das n oder m entfällt nur am Wortanfang.
6) nur und immer am Wortende, außer es folgt ein Apostroph (Beispiel: μέσα kann zu μες oder μεσ' verkürzt werden.)
7) Die C-ähnliche Form des Sigma wird im kirchlichen Kontext noch regelmäßig verwendet

[Bearbeiten] Namen der Buchstaben

Die Bezeichnungen der Buchstaben haben im Griechischen keine Bedeutung. Sie wurden größtenteils aus dem Phönizischen übernommen. Dort bezeichnen die Buchstabennamen Begriffe, denen nach dem akrophonischen Prinzip ein Lautwert zugeordnet wurde. Beispielsweise bedeutet aleph „Ochse“ und beth „Haus“.

Die Namen einiger Vokale gehen auf die byzantinische Zeit zurück. Ihre Bezeichnungen in klassischer Zeit unterschieden sich teils, z.B. wurden die Buchstaben Omikron und Omega schlicht οὖ [oː] und [ɔː] genannt. Erst als die Aussprache der beiden Laute zusammenfiel, unterschied man die Buchstaben durch die Namenszusätze mikrón und méga (Omikron bedeutet „kleines O“, Omega „großes O“). Ähnlich verhält es sich bei den Namen Epsilon („einfaches E“) und Ypsilon („einfaches Y“), die zur Unterscheidung zu den gleichlautenden Buchstabenkombinationen ει und οι eingeführt wurden.

[Bearbeiten] Aussprache

Die antiken und modernen Lautwerte der griechischen Buchstaben unterscheiden sich recht stark, weil die tiefgreifenden lautlichen Veränderungen, die die griechische Sprache in über zweieinhalb Jahrtausenden durchlebte, in der Orthografie nicht mitvollzogen wurden. Daher sind alt- und neugriechische Wörter im Schriftbild oft identisch oder sehr ähnlich, obwohl sich ihre Aussprache grundlegend unterscheidet.

[Bearbeiten] Altgriechisch

Hauptartikel: Altgriechische Phonologie

In der antiken Aussprache des Griechischen war die Laut-Buchstaben-Zuordnung recht eindeutig. Bei der Darstellung der Vokale musste das Altgriechische aber mit sieben Buchstaben für 12 Phoneme auskommen. Alpha, Iota und Ypsilon konnten sowohl für lange oder für kurze Laute stehen. Bei den e- und o-Lauten wurde dagegen zwischen Epsilon bzw. Omikron für die Kurzvokale [e], [o] und Eta bzw. Omega für die offenen Langvokale [ɛː], [ɔː] unterschieden. Für die geschlossenen Langvokale [] und [] verwendete man indes die Digraphen Epsilon-Iota (ει) und Omikron-Ypsilon (ου). Daneben ist zu beachten, dass die Diphthonge Alpha-Ypsilon (αυ) und Epsilon-Ypsilon (ευ) als [au] und [eu] gesprochen wurden.

Die im Schulunterricht westlicher Länder etablierte Aussprache weicht in einigen Punkten von der heute nach wissenschaftlichen Kriterien rekonstruierten Aussprache ab. So wurden Theta, Phi und Chi in der Antike als aspirierte Verschlusslaute und nicht als Reibelaute gesprochen. In Griechenland selbst wird heute für alle Texte, auch für altgriechische, die neugriechische Aussprache verwendet. Auch in anderen orthodoxen Ländern ist die dem Neugriechischen nahestehende byzantinische statt der antiken Aussprache Grundlage für die Aussprache griechischer Wörter.

[Bearbeiten] Neugriechisch

Hauptartikel: Aussprache des Neugriechischen

Im Neugriechischen ist die Orthographie durch den Lautwandel weit weniger logisch. Durch den Zusammenfall vieler altgriechischer Vokalphoneme kann z.B. der Laut [i] im Neugriechischen mit ι, η, υ, ει, υι oder οι geschrieben werden. Dadurch ist das Erlernen der griechischen Rechtschreibung auch für Muttersprachler mit Schwierigkeiten verbunden.

Die wichtigste Änderung bei der Aussprache der Konsonanten betrifft die stimmhaften und die aspirierten Verschlusslaute (β, γ, δ, θ, φ, χ) des Altgriechischen, die zu Reibelauten geworden sind. Daneben setzt das Neugriechische in größerem Maße Digraphen ein, z.B. stehen μπ, γκ und ντ für [b], [g] und [d].

[Bearbeiten] Transkription

Für die Transkription altgriechischer Wörter in die lateinische Schrift gibt es eine recht eindeutige Norm (siehe Tabelle oben). Einzig bei der Wiedergabe der Buchstaben η und ω (mit oder ohne Makron), des Digraphen ου (ou oder u) und des einfachen υ (normalerweise y, in Diphthongen u; v.a. im englisch-amerikanischen Sprachraum auch generell als u) gibt es kleinere Unterschiede.

Die Umschrift des Neugriechischen wird nicht einheitlich gehandhabt, eine existierende ISO-Norm konnte sich bislang nicht durchsetzen. Zum Teil orientiert sich die Umschrift an der Aussprache, zum Teil am griechischen Schriftbild.

[Bearbeiten] Weitere Zeichen

Einige Zeichen aus dem phönizischen Alphabet existierten in bestimmten älteren Formen des griechischen Alphabets. Durch die Standardisierung des Alphabets wurden sie abgeschafft. Die Buchstaben Digamma, Qoppa und Sampi blieben aber als Zahlenzeichen bestehen.

  • Das Digamma (δίγαμμα, Ϝϝ) ging wie das Ypsilon aus dem phönizischen Waw hervor und bezeichnete ursprünglich den Laut [w] (wie in engl. water). Als dieser Laut in den meisten Dialekten wegfiel, wurde das Zeichen überflüssig. Die Bezeichnung Digamma („Doppelgamma“) ist jünger und bezieht sich auf die Form, die wie zwei aufeinander gelegte Gammas (Γ) aussieht.
  • Das San (Ϻϻ) entsprach dem phönizischen Zade. Es stand meistens für [s], wurde aber schon früh durch das Sigma ersetzt. Im arkadisch-kyprischen Dialekt hatte es den Lautwert [ts].
  • Das Qoppa (κόππα, Ϙϙ) entsprach dem phönizischen Qoph, das den semitischen [q]-Laut bezeichnete. Im Griechischen wurde das Qoppa anfangs für [k] vor [o] oder [u] verwendet.
  • Der Ursprung des Sampi (Ϡϡ) ist nicht eindeutig geklärt, es könnte vom San abstammen. Der genaue Lautwert ist nicht sicher erschließbar, Möglichkeiten sind [ss] oder [ks].

In Folge der Übernahme des griechischen Alphabets für andere Sprachen wurde ein Zeichen ergänzt, dessen Lautwert es im Griechischen nicht gab:

[Bearbeiten] Moderne Zeichen

Im 19. Jahrhundert wurde aus dem lateinischen Alphabet das kleine j unter dem aus dem Deutschen entlehnten Namen Jot (griechischγιοτ, giot) zur Darstellung innerhalb griechischer Wörter im wissenschaftlichen Kontext übernommen, um vor allem in frühaltgriechischen und protogriechischen Texten das Phonem /j/ in Abgrenzung zum vokalischen /i/ wiedergeben zu können. Im Unicode-Block Griechisch und Koptisch wurde diesem Buchstaben die Position U+03F3 zugewiesen. [1]

[Bearbeiten] Ligaturen

Text von 1821 (Konstantinos Nikolopoulos) mit den genannten drei Ligaturen

Des Weiteren gibt es Ligaturen aus byzantinischer Zeit. Diese wurden in der Minuskel-Handschrift entwickelt, und im frühen Buchdruck wurden einige von ihnen weiter verwendet. Heute sind jedoch nur noch drei von ihnen gebräuchlich:

  • das Stigma (Ϛϛ), zusammengesetzt aus Sigma und Tau
  • die Verbindung aus Omikron und Ypsilon als Ersatz für die häufig benötigte Vokalverbindung „ου“ mit dem Lautwert /u/ (Ȣȣ, in moderner Typografie auch Ʊʊ)
  • die Ligatur für „και“ ( ϗ ) dt. „und“, gebräuchlich analog zum „Kaufmanns-Und(&).


[Bearbeiten] Spiritus und Akzente

Demonstration für das Aussehen der Benutzung der Glyphe ├ für [h] am Beispiel ἭΡΑ (Hera)

Als der Buchstabe H, der ursprünglich für [h] stand, den Lautwert [ɛː] erhielt, entwickelte man durch Halbierung des H das Zeichen ├, um weiterhin den [h]-Laut wiedergeben zu können. Später entwickelte sich daraus der Spiritus asper, ein diakritisches Zeichen, das wie ein hochgestelltes kleines c aussieht und über dem anlautenden Vokal steht. In Analogie zum Spiritus asper wurde später der Spiritus lenis, der die Form eines spiegelverkehrten Spiritus asper hat, für einen vokalischen Anlaut ohne [h] entwickelt.

Beispiele:

  • Spiritus asper (῾): ὕδωρ hydōr („Wasser“), ῥυθμός rhythmos („Rhythmus“), Ἕλλας Hellas („Griechenland“)
  • Spiritus lenis (᾽): ἐγώ egō („ich“), Ἔρως Erōs („Liebe“)

Das Altgriechische verfügte über einen musikalischen Akzent mit drei verschiedenen Tönen. Diese können bedeutungsunterscheidend sein, z.B. bedeutet pan mit steigend-fallendem Ton „alles“, während dasselbe Wort im steigenden Ton der Name des Gottes Pan ist. Der musikalische Akzent wandelte sich schon in hellenistischer Zeit zu einem dynamischen Akzent, wie er im Deutschen und den meisten anderen europäischen Sprachen vorkommt. Um die antiken Texte weiterhin korrekt aussprechen zu können, entwickelte man drei Zeichen als Bezeichnung der Töne:

  • der Akut, griech. Oxeia, (´) für den Hochton, Bsp. Διοτίμα Diotíma
  • der Gravis, griech. Bareia, (`) für den Tiefton, Bsp. καὶ αὐτὸς τιμῶ kaì autòs timô (auch ich-selbst ehre)
  • der Zirkumflex, griech. Perispomenē, (῀) für den Steig- und Fallton, Bsp. Φαῖδρος Phaîdros

Im modernen Griechisch (das keinen h-Laut mehr hat und auch keine Töne mehr kennt) wurden diese Akzente und Spiritus 1982 abgeschafft. Die Akzente wurden durch ein einziges Zeichen, den Tonos (τόνος) ersetzt, der heute in mehrsilbigen Wörtern die betonte Silbe kennzeichnet. (Der Tónos sieht aus wie ein Akut, ist aber ein eigenes Zeichen und wird im Unicode vom Akut unterschieden.) Dieses vereinfachte System wird „monotonisch“ (μονοτονικό monotoniko) genannt; hin und wieder wird jedoch noch das alte, „polytonische“ Akzentsystem (πολυτονικό polytoniko) inklusive Spiritus verwendet − sowohl in literarischen Produktionen als auch in privaten Alltagstexten.

[Bearbeiten] Diakritische Zeichen

Das Trema (¨) zeigt im Altgriechischen an, dass zwei Vokale keinen Diphthong bilden, sondern in zwei Silben gesprochen werden. So wird Ἀτρεΐδης („Atride“, „Sohn des Atreus“) viersilbig als Atre-idēs gesprochen. Im Neugriechischen kennzeichnet das Trema die getrennte Aussprache eines der Digraphen (οϊ, αϊ, εϊ), Z.B. das „Boot“ καΐκι, sprich /ka'iki/ wäre ohne Trema /keki/.

In den Langdiphthongen ēi, ōi und āi verstummte das i bereits früh. Ab dem 12. Jahrhundert wurde es als Iota subscriptum („untergeschriebenes Iota“) unter den vorangehenden Vokal gesetzt, Bsp. τῇ statt τηῖ , (Dativ des bestimmten Artikels femininum, der). Bei Großbuchstaben wird das Iota meist als Iota adscriptum („dazugeschriebenes Iota“) neben den vorangehenden Vokal gesetzt, Bsp. Ἅιδης sprich: Hādēs („Hades“, „Unterwelt“). Im Neugriechischen wurde das Iota subscriptum im Zuge der Reform von 1982 abgeschafft.

[Bearbeiten] Zahlzeichen

Hauptartikel: Griechische Zahlen

Die altgriechischen Schriftzeichen sind zugleich Zahlzeichen. Es gab zwei Zählweisen, die Thesische und die Milesische, wohl von Milet abgeleitet. Der Gebrauch beider Zählweisen ist schon in der Ilias belegt.

Die thesische Zählweise ist erst 1935 durch Peter Friesenhahn wiederentdeckt worden und zweifelsfrei in Ilias und Septuaginta nachgewiesen worden. Sie weist den Buchstaben Alpha bis Omega je nach ihrem Standort im Alphabet die dazugehörige Ordnungszahl als Wert zu. Alpha hat den Wert eins und Omega den von vierundzwanzig. Nach dieser Zählweise sind die Gesänge Homers nummeriert.

Die milesische und lange bekannte Zählweise ist mit geringen Abweichungen aus der im phönizischen benutzten konstruiert. Auch das hebräische Alphabet benutzt diese Technik für die Zahlenwerte. Alpha bis Theta nehmen die Werte eins bis neun an, Iota bis Qoppa, nicht mit Kappa zu verwechseln, die zum vorigen parallelen Zehnerwerte, nämlich zehn, zwanzig,.. . bis neunzig, und Rho bis Sampi die entsprechenden Hunderter, so dass Alpha dann wieder auch Tausend bedeuten kann.

[Bearbeiten] Geschichte

Tontafel mit Linear-B-Inschrift aus Mykene

[Bearbeiten] Vorläufer

Schon einige Jahrhunderte vor Entstehung des griechischen Alphabets war die griechische Sprache schriftlich festgehalten worden. Die mykenische Kultur verwendete vom 14. bis 12. Jahrhundert v.Chr. die Silbenschrift Linear B, die aus der Schrift der Minoer Kretas entwickelt worden war. Nach dem Untergang der mykenischen Kultur geriet sie aber während der sogenannten „dunklen Jahrhunderte“ (12.–9. Jahrhundert v.Chr.) wieder in Vergessenheit. Einzig auf Zypern hielt sich die kyprische Schrift, die den kretisch-minoischen Schriften nahe stand. Das griechische Alphabet steht in keiner Verbindung zur Linearschrift B.

[Bearbeiten] Entstehung

Phönizisch Griechisch
Aleph Α Alpha
Beth Β Beta
Gimel Γ Gamma
Daleth Δ Delta
He Ε Epsilon
Waw Ϝ Digamma
Zajin Ζ Zeta
Heth Η Eta
Teth Θ Theta
Jodh Ι Iota
Kaph Κ Kappa
Lamed Λ Lambda
Mem Μ My
Nun Ν Ny
Samech Ξ Xi
Ajin Ο Omikron
Pe Π Pi
Sade San
Qoph Ϙ Qoppa
Resch Ρ Rho
Schin Σ Sigma
Taw Τ Tau
Phönizische Buchstaben und ihre griechischen Entsprechungen

Das griechische Alphabet stammt von dem phönizischen Alphabet ab. Die genauen Umstände sowie Ort und Zeit der Entstehung sind weitgehend unbekannt. Wahrscheinlich geschah die Übernahme im 9. Jahrhundert v.Chr., auch wenn manche Forscher einen früheren Zeitpunkt annehmen. Als Entstehungsorte werden Euböa, Kreta, Rhodos und Zypern vorgeschlagen. Die ersten überlieferten griechischen Inschriften, auf der Dipylon-Kanne von Athen und dem Nestorbecher von Pithekussai, stammen aus dem frühen 8. Jahrhundert v.Chr.

Das phönizische Alphabet war, wie auch die anderen semitischen Schriften, eine Konsonantenschrift. Im Griechischen spielten aber die Vokale eine weitaus größere Rolle als in den semitischen Sprachen, weshalb für sie auch eigene Buchstaben benötigt wurden. Zu diesem Zweck wurden phönizische Buchstaben, die im Griechischen nicht vorkommende Laute bezeichneten, zu Vokalzeichen umfunktioniert. Es ist unklar, ob es sich bei der Schaffung der Vokalzeichen um eine geplante Innovation oder eine bloße Fehlinterpretation des phönizischen Systems handelte. Aus dem Aleph für den Knacklaut [ʔ] wurde das Alpha für [a], aus dem He für [h] das Epsilon für [e], aus dem Jodh für [j] das Iota für [i] und aus dem Ajin für den speziellen semitischen Kehllaut [ʕ] das Omikron für [o]. Aus dem phönizischen Waw entwickelten sich im Griechischen zwei Buchstaben: das konsonantische Digamma für [w] und das vokalische Ypsilon für [u] (später [y]). Dadurch war das griechische Alphabet die erste Schrift, die sowohl Konsonanten als auch Vokale durch eigenständige Zeichen darstellte, und somit die erste Alphabetschrift im engeren Sinne. Es ist aber davon auszugehen, dass die Entwicklung der Vokalzeichen in einem einzigen Schritt vonstatten ging, da sie schon in den frühesten bekannten griechischen Inschriften vorhanden sind und keinerlei Schriftdenkmäler bekannt sind, in denen Griechisch in einer Konsonantenschrift geschrieben würde.

Korinthische Vase mit den Namen Perseus, Andromeda und Ketos in einer Frühform des griechischen Alphabets

Ansonsten entsprachen sich die phönizischen und griechischen Buchstaben weitgehend. Einige Konsonantenzeichen wurden in ihrem Lautwert angepasst: Aus dem phönizischen Tet für das emphatische [] wurde das griechische Theta (Θ) für das aspirierte [], aus dem phönizischen Zajin für [z] wurde das Zeta (Z), das ursprünglich wahrscheinlich [dz] oder [zd] gesprochen wurde. Im Phönizischen gab es drei verschiedene s-Laute, Samech, Sade und Schin, im Griechischen jedoch nur einen. Daher wurde das Samech zum Xi (Ξ) für [ks] umfunktioniert; aus dem Sade entwickelte sich der griechische Buchstabe San (Ϻ), der aber schon früh zugunsten des aus dem Schin hervorgegangenen Sigma (Σ) aufgegeben wurde. Die phönizische Sprache unterschied zwischen dem Kaph für [k] und dem Qoph für [q]. Im Griechischen wurden daraus die Buchstaben Kappa (K) und Qoppa (Ϙ), die beide [k] gesprochen wurden. Weil sich zwei Buchstaben für den selben Laut als redundant erwiesen, wurde das Qoppa später abgeschafft. Das phönizische Heth, das einen im Griechischen nicht vorkommenden h-ähnlichen Laut bezeichnete, wurde zum griechischen Η, das zunächst Heta genannt wurde und für [h] stand. Erst später wurde es zum Vokalzeichen für [ɛː].

Die Reihenfolge der Buchstaben hatten die Griechen von den Phöniziern übernommen. An das Ende des Alphabets wurden die neuentwickelten Zeichen Υ, Φ, Χ, Ψ und Ω angehängt. Das Ypsilon stammte ebenso wie das Digamma von dem phönizischen Waw ab, den Buchstaben Omega (Ω) für [ɔː] bildeten die Griechen aus dem Omikron neu. Genuin griechische Neubildungen ohne Entsprechung im Phönizischen sind Phi (Φ) für [], Chi (Χ) für [] und Psi (Ψ) für [ps].

[Bearbeiten] Epichorische Alphabete

Verbreitung der epichorischen Alphabete nach Kirchhoff (1887)
Alphabete von Euböa, Ionien, Athen und Korinth

Ursprünglich war das griechische Alphabet ebenso wie das phönizische linksläufig, d.h. es wurde von rechts nach links geschrieben. Danach wurde furchenwendig, d. h. abwechselnd links- und rechtsläufig (als Bustrophedon) geschrieben, erst später setzte sich <