Margaret Mead

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Wechseln zu: Navigation, Suche
Margaret Mead

Margaret Mead (* 16. Dezember 1901 in Philadelphia, Pennsylvania; † 15. November 1978 in New York) war eine US-amerikanische Anthropologin und Ethnologin. Margaret Mead gilt als eine der entschiedensten Vertreterinnen des Kulturrelativismus im 20. Jahrhundert. Sie vertrat die Auffassung, dass Sozialverhalten formbar und kulturbestimmt sei.

Besonders in den 1960er Jahren (und im Deutschland der 1970er) waren ihre Arbeiten sehr populär. Später hat man allerdings begonnen, ihre wissenschaftliche Seriosität stark anzuzweifeln.

Mead war verheiratet mit Luther Cressman, Reo F. Fortune und Gregory Bateson.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Leben

Margaret Mead wuchs in einer liberalen Familie auf. Sie studierte an der Columbia University bei Franz Boas und Ruth Benedict. Sie hatte 4 Geschwister die alle jünger waren als sie, ein Bruder Richard (1904–1975) und Schwester Elizabeth (1909–1983), Katharine (1906–1907), und Priscilla (1911–1959). Katharine starb im Alter von neun Monate.

1925 reiste sie als junge Anthropologin allein nach Samoa, wo sie junge Mädchen an der Stufe zum Erwachsenwerden studierte. Mit einigem Erstaunen hielt sie fest, dass die bis dahin als starr geltenden sozialen Rollen kulturell vorgegeben waren und nicht - wie bisher allgemein angenommen - für alle Menschen allgemein gültig waren. 1957 reiste Lowell Holmes auf den Spuren Meads und korrigierte in seiner Dissertation Fehler von Mead; im Großen und Ganzen bestätigte er darin aber Meads Ergebnisse.

Weltberühmt wurde Mead durch ihre Forschungsreisen von 1931 nach Neuguinea, wo sie die Gesellschaftsstrukturen der Arapesh, Tchambuli und Mundugumor erforschte und aus ihrem Material folgerte, dass die uns bekannten Geschlechterrollen kulturell bedingt seien und nicht genetisch vorgegeben. Sie war die erste Person, die diese Tatsache empirisch zu belegen schien und gab damit den gesamten Sozialwissenschaften neue Impulse.

Zwischen 1936 und 1939 betrieb sie zusammen mit Gregory Bateson und Jane Belo intensive Studien auf der Insel Bali. Sie war damit eine wichtige Figur des sogenannten Bali-Circle der Dreißiger Jahre.

Während des Zweiten Weltkrieges musste sie ihre Forschungsreisen in die Südsee unterbrechen, wodurch sie sich jedoch nicht von weiteren Forschungstätigkeiten abhalten ließ. Gemeinsam mit Ruth Benedict wandte sie früh anthropologische und ethnologische Methoden zur Erforschung moderner Kulturen an. Um ihre Vergleiche zwischen den Kulturen zu vertiefen und weitere Forscher zu solchen Vergleichen zu animieren, gründeten die beiden Ethnologinnen das Institute for Intercultural Studies.

Insgesamt erforschte Mead sieben Kulturen im Südpazifik. Sie war Professorin des American Museum of Natural History in New York, Präsidentin der American Anthropological Association und der American Association for the Advancement of Science. Sie erhielt 28 Ehrendoktorate von Universitäten weltweit und schrieb mehr als 40 Bücher sowie über 1000 wissenschaftliche Artikel. Sie war Lehrerin und Förderin von Ray Birdwhistell.

Sie war auch eine Galionsfigur der 1968er Bewegung unter der Jugend, die sich gerne auf die Pionierin berief.

[Bearbeiten] Kritik

Derek Freeman widerspricht Meads Samoa-Ergebnissen in seinen eigenen Studien. Freeman geht ausdrücklich nicht von einer bewusst falschen Darstellung durch Mead aus. Er weist vielmehr nach, dass ihr Samoa-Bild eigenem Wunschdenken entsprang.

Mead hatte Anthropologie bei Franz Boas, einem der Gründungsväter der amerikanischen Kulturanthropologie, studiert. Boas bekämpfte in seinen Forschungen den von der Eugenetik vertretenen Erbdeterminismus, der den Menschen vor allem von durch seine Erbanlagen bestimmt sieht. Im Sinne Boas' trat die damals 23-jährige Margaret Mead ihre Forschungen ausdrücklich mit dem Ziel der Widerlegung des Erbdeterminismus an: „Wir hatten zu zeigen, dass die Menschennatur außerordentlich anpassungsfähig ist, daß die Rhythmen der Kultur zwingender sind als die physiologischen Rhythmen … Wir hatten den Beweis zu erbringen, dass die biologische Grundlage des menschlichen Charakters sich unter verschiedenen gesellschaftlichen Bedingungen verändern kann.[1] Mead wollte also beweisen, was sie schon längst zu wissen glaubte und setzte damit die erst zu ermittelnden Ergebnisse schon vor Beginn ihrer Forschungen fest. In der Wissenschaft wird dieses fehlerhafte Vorgehen als „Versuchsleiter-Effekt“ beschrieben.

Meads Fahrt nach Samoa im August 1925 war ihre erste Auslandsreise. Fundierte Kenntnisse der samoanischen Geschichte und Kultur hatte sie nicht. Erst vor Ort nahm sie Anfangsunterricht in der samoanischen Sprache (1 Stunde pro Tag). Da sie die Vorstellung, in der primitiven Umgebung einer samoanischen Familie zu leben, abschreckte, zog sie in das Haus einer dort ansässigen nordamerikanischen Familie. Im nächsten halben Jahr befragte sie samoanische Mädchen, 25 davon näher. Diese Befragungen bildeten die Quelle ihres Buches. Zugang zum politischen Leben der Einheimischen, den Männerversammlungen, bekam sie als Frau nicht.[2]

Anders als Mead war Derek Freeman der samoanischen Sprache kundig. Er kam erstmalig 1940 nach Samoa und verbrachte dort in den folgenden vier Jahrzehnten über sechs Jahre. Er schrieb seine Doktorarbeit über die Gesellschaftsstruktur Samoas, wurde von einer einheimischen Familie adoptiert und in seinem Dorf zum Häuptling ernannt. Anfangs wie Mead ein überzeugter Kulturdeterminist, veröffentlichte er sein mead-kritisches Buch erst als emeritierter Professor. Freemans Samoa, das er aufgrund seiner eigenen jahrzehntelangen Erfahrungen und Befragungen sowie intensiven Quellenstudien beschreibt, widerspricht Meads Ergebnissen ausdrücklich. Es ist eine genauso komplexe Kultur wie die uns bekannte, mit vergleichbaren emotionalen Höhen und Tiefen für jeden ihrer Bewohner.[3]

Kritisch äußerten sich auch Einwohner Samoas zu Meads Buch. Mary Pritchard, die von Margaret Mead 1925 interviewt worden war, meinte 1983: „Was würden Sie denn sagen, wenn Ihnen ein Fremder ins Haus schneit und Sie über das Sexualleben Ihrer Kinder ausfragt?[4] Und der samoanische Schriftsteller Albert Wendt setzt seine literarische Arbeit bewusst zur Korrektur ein: „Das Samoa, das ich schuf, war genau das Gegenteil von Margaret Meads attraktivem, aber oberflächlichem Paradies-Klischee. Es ist dies ein Samoa mit all den Gefühlen, Problemen, Hoffnungen und dergleichen, die allen Menschen gemeinsam sind.[5]

Dies war übrigens nicht die erste Kritik an Margaret Meads Arbeiten. In den 1930er Jahren hatte sie den Stamm der Arapesh auf Neuguinea erforscht und als äußerst friedliches Volk beschrieben. Der Anthropologe Reo F. Fortune wies ihre Ergebnisse 1939 energisch zurück und beschrieb detailliert die Frauenraubkriege der Arapesh.[6] Das Besondere an der Sache: Fortune war damals mit Mead verheiratet und hatte die Arapesh gemeinsam mit ihr untersucht.

[Bearbeiten] Zitate

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Margaret Mead: Cultural Determinants of Behavior. In: Anne Roe/George Gaylord Simpson (Hgg.): Behavior and Evolution. New Haven 1958, S.480 ff.
  2. vgl. Meads Schilderung, in: Mead 1978.
  3. S. Derek Freeman: Margaret Mead and Samoa. The Making and Unmaking of an Anthropological Myth. Cambridge MA 1983; Liebe ohne Aggression. Kindler, München 1983 (dt.). ISBN 3-463-00866-1
  4. zit. in: James P. Sterba: Debunking a Myth. In: Wall Street Journal. Princeton 15. April 1983, S.14 f.
  5. Albert Wendt: Margaret Meads Samoa. Eine Anklage. In: Frankfurter Hefte, Jg. 38, 1983,9, S.45-53, ISSN 0015-9999
  6. s. Mead 1935; Geschlecht und Temperament in drei primitiven Gesellschaften (dt.). In: Jugend und Sexualität in primitiven Gesellschaften Bd 3. München 1970; Reo F. Fortune: Arapesh Warfare. In: American Anthropologist. N.S. Arlington 41.1939, S.22-41. ISSN 0002-7294

[Bearbeiten] Werke

[Bearbeiten] Literatur

[Bearbeiten] Weblinks

Persönliche Werkzeuge


Original-Page: Margaret Mead – Wikipedia
 Web-Blaster V2.21 Close Webblaster Floater
The page now displayed was connected to the database of the Assoziations-Blaster (Deutsche Version) through filtering it with the Web-Blaster.

The whole process takes place in real time and no data from other servers is saved anywhere.

In order to see this page without the filter and loaded from its original server, the Webblaster must be turned off.

Turn Off Webblaster