Ofnethöhlen

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Ofnethöhlen
Große Ofnet

Große Ofnet

Lage: Nördlingen
Geographische Lage 48° 49′ 6,6″ N, 10° 27′ 1,1″ O48.81850210.4503187Koordinaten: 48° 49′ 6,6″ N, 10° 27′ 1,1″ O
Ofnethöhlen (Bayern)
DEC
Ofnethöhlen

Die Ofnethöhlen bei Nördlingen (Stadtteil Holheim) sind die Reste eines unterirdischen Karstsystems am Kraterrand des Nördlinger Rieses. Sie befinden sich am südwestlichen Teil des fast zwei Kilometer langen Riegelberges – eines Höhenrückens aus Kalkstein, der auch „Himmelreich“ genannt wird. Archäologische Funde weisen darauf hin, dass die Höhlen vom Mittelpaläolithikum bis in die Mittelsteinzeit bewohnt waren. Überregionale Bedeutung erlangten die Ofnethöhlen vor allem durch spektakuläre Schädelfunde im Jahr 1908.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Beschreibung

[Bearbeiten] Große Ofnet

Die auf 520 Höhenmetern gelegene Große Ofnet ist 55 Meter lang. Ursprünglich war der Eingang in die Große Ofnet kleiner, er erhielt bei einer Sprengung durch den Ausgräber Robert Rudolf Schmidt seine jetzigen Ausmaße: Er ist vier Meter hoch und sechs Meter breit. Von der acht Meter langen, acht Meter breiten und neun Meter hohen Eingangshalle zweigen nach links und rechts kurze Seitenäste ab, die beide zu Tage führen.

[Bearbeiten] Kleine Ofnet

Die Kleine Ofnet liegt auf 525 Metern über NN, einige Meter oberhalb der Großen Ofnet, nahe dem oberen Rand des Höhenrückens. Sie besitzt nur einen begehbaren Raum, der zwölf Meter lang, sieben Meter breit und drei Meter hoch ist.

[Bearbeiten] Geschichte

Erstmals untersuchte der Stuttgarter Pfarrer und Geologe Oskar Fraas die Ofnethöhlen in den Jahren 1875 bis 1876 systematisch. Er entdeckte Steinwerkzeuge und Tierknochen, die wahrscheinlich aus der Zeit von 3.000 bis 5.000 v. Chr. stammen.

Für Aufsehen sorgte der Tübinger Forscher Robert Rudolf Schmidt, der die Ofnethöhlen 1901 und 1905, 1907 und 1908 untersuchte: Schmidt fand in der Großen Ofnet zwei Nester, in denen 33 Menschenschädel lagen. Zehn von ihnen waren Frauenschädel, 19 Kinderschädel und vier Männerschädel. Alle Schädel waren nach Westen ausgerichtet. Die Nester, in denen die Schädel lagen, waren mit Rötel eingefärbt.

Die weiblichen Schädel waren mit Schmuckbeigaben versehen, darunter 215 Hirschzähne und 4.250 Gehäuse von Schmuckschnecken. Alle Beigaben waren durchbohrt und müssen ursprünglich zu Ketten oder Netzen aufgefädelt gewesen sein.

Untersuchungen ergaben, dass die Schädel aus der Mittelsteinzeit um 7.700 v. Chr. stammen. Weil Schmidt in den Nestern auch Unterkiefer und Halswirbel fand, ist davon auszugehen, dass die Köpfe mit Haut und Haar in die Höhle getragen wurden, nachdem sie zuvor von den Rümpfen getrennt worden waren.

Ob Enthauptung die Todesursache der 33 Personen war, lässt sich nicht feststellen. Unverheilte Schädelverletzungen deuten auf einen gewaltsamen Tod hin, sie könnten den Körpern aber auch nach dem Tod zugefügt worden sein.

Anthropologen wie David W. Frayer von der University of Kansas gehen von einem kriegerischen Massaker in den Ofnethöhlen aus.[1] Andere Theorien sprechen von einer rituellen Opferung oder Kannibalismus. Die Verletzungen deuten zudem auf eine Form des Schädelkultes hin.

Zuletzt gruben der Pharmazierat und Heimatforscher Ernst Frickhinger und der Archäologe Ferdinand Birkner 1934 und 1936 in den Ofnethöhlen nach prähistorischen Funden.

Die US-amerikanischen Astronauten der Missionen Apollo 14 und Apollo 17 besuchten die Ofnethöhlen im Rahmen ihres geologischen Feldtrainings im Nördlinger Ries.

Panoramablick von den Ofnethöhlen aus auf den Ipf und die Stadt Bopfingen

[Bearbeiten] Literatur

  • Frickhinger, Ernst: Das Himmelreich mit den Ofnethöhlen, Schwabenland, 1939.
  • Seitz, Helmut: Besuch in der Unterwelt, Die Gruft der 33 Schädel, Süddeutsche Zeitung Nr. 180, 6. August 1991.
  • Schmidt, Robert Rudolf: Die spätpaläolithischen Bestattungen der Ofnet. Mannus 1. Ergänzungsband 1910, S. 56-63.
  • Stein, Gerhard: Zu Geschichte und Befunden der Ausgrabungen in den Höhlen Große und Kleine Ofnet bei Nördlingen, Jahresbericht der Höhlenforschergruppe Rhein-Main 12, 1990, S. 228–232.

[Bearbeiten] Weblinks

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. ↑ Dirk Husemann: Wie der Mensch den Krieg erfand. Spiegel Online, 28. 5. 2006.
Persönliche Werkzeuge


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